PPA und EV/MW
Zwei Größen, die zusammengehören: Der PPA bestimmt, ob ein Projekt einen planbaren Cashflow hat. EV/MW ordnet ein, was der Markt je Megawatt dafür zahlt.
Der PPA — der Vertrag, an dem der Barwert hängt
Ein Power Purchase Agreement ist ein langfristiger Stromabnahmevertrag zwischen Betreiber und Abnehmer. Er verwandelt einen schwankenden Börsenstrompreis in eine kalkulierbare Reihe von Zahlungen – und damit ein Projekt in etwas, das eine Bank finanzieren kann.
Vier Punkte entscheiden über seinen Wert. „Es gibt einen PPA“ ist ohne sie keine Aussage:
| Frage | Warum sie zählt | |
|---|---|---|
| Laufzeit | 5, 10 oder 15 Jahre? | Bestimmt, wie viel des Barwerts überhaupt gesichert ist |
| Preis und Indexierung | Fest, inflationsindexiert, mit Preisuntergrenze? | Ein Festpreis ohne Indexierung verliert real jedes Jahr |
| Bonität des Abnehmers | Versorger, Industriekonzern, Händler? | Ein Vertrag ist nur so gut wie der, der zahlt |
| Mengenrisiko | Feste Menge oder as produced? Wer trägt die Abregelung? | Entscheidet, wer das Wetter- und Netzrisiko trägt |
Der Restzeitraum ist die eigentliche Wette. Ein Windpark mit 25 Jahren Lebensdauer und einem PPA über 12 Jahre hat mehr als die Hälfte seines Barwerts im ungesicherten Zeitraum danach – bewertet mit einer Preisprognose, die niemand kennt. Wer die Erlöse nach Vertragsende zum heutigen Preis fortschreibt, verkauft eine Annahme als Sicherheit.
EV/MW — und warum die reine Pipeline nichts sagt
Unternehmenswert geteilt durch installierte oder geplante Leistung. Der Multiplikator ist nur brauchbar, wenn man ihn nach Reifestufe trennt. Ein Megawatt in einer frühen Projektidee und ein Megawatt am Netz sind nicht dasselbe Gut – die Wahrscheinlichkeit, dass daraus je Strom wird, ist eine völlig andere.
| Stufe | Woran man sie erkennt | Was sich am Wert ändert |
|---|---|---|
| Frühe Entwicklung | Fläche gesichert, sonst nichts | Reiner Optionswert. Ein erheblicher Teil dieser Projekte wird nie gebaut |
| Fortgeschritten | Genehmigungsverfahren läuft, Netzanschluss beantragt | Die Eintrittswahrscheinlichkeit steigt, der Zeitpunkt bleibt offen |
| Baureif (RTB) | Genehmigt, Netzanschluss zugesagt, finanziert, PPA unterschrieben | Der große Sprung: Aus einer Option wird ein finanzierbarer Zahlungsstrom |
| Im Bau | Investitionsentscheidung getroffen | Genehmigungsrisiko weicht Bau- und Terminrisiko |
| Am Netz | Erzeugt und verkauft | Voller Barwert; verbleibende Risiken sind Preis, Wetter und Verfügbarkeit |
Die beiden Stufen, an denen sich der Wert sprunghaft ändert, sind Netzanschluss und Genehmigung. Beides sind eben behördliche oder netzseitige Entscheidungen, die das Unternehmen nicht steuert. Eine Pipeline-Angabe ohne Aufschlüsselung nach diesen Stufen ist deshalb keine Bewertungsgrundlage, sondern eine Absichtserklärung.
Warum hier keine Beträge je MW stehen
In Marktberichten kursieren Bandbreiten je Megawatt und Reifestufe. Wir geben sie nicht wieder. Solche Werte hängen an Markt, Technologie, Netzentgelten, Förderregime und Zinsniveau des jeweiligen Stichtags; eine Größenordnung aus einem Land und einem Jahr lässt sich nicht auf ein anderes Land und ein anderes Jahr übertragen, und die wenigsten der zirkulierenden Zahlen nennen, worauf sie beruhen. Uns liegt dafür keine überprüfbare Primärquelle vor.
Nach unserer eigenen Regel gilt: Eine Zahl ohne Quelle und Datum wird nicht relativiert, sondern weggelassen. Was das Argument trägt, ist ohnehin nicht der Betrag, sondern die Reihenfolge – wo im Projektverlauf der Wert springt und warum. Ein konkreter EV/MW-Wert gehört in die Analyse eines konkreten Unternehmens, mit der Vergleichsgruppe, dem Stichtag und der Aufschlüsselung nach Stufen, aus der er stammt.
Wo es in die Irre führt
Die Pipeline wird brutto ausgewiesen. Ein Entwickler nennt gern die volle Projektgröße, hält aber nur einen Anteil daran. Maßgeblich ist die anteilige Leistung.
MW ist nicht MWh. Zehn MW Solar in Deutschland und zehn MW Wind in Schottland erzeugen sehr unterschiedlich viel Strom. Über Technologien und Standorte hinweg ist EV/MW nur mit Volllaststunden im Kopf lesbar.
Verkaufte Projekte sehen aus wie Umsatzwachstum. Viele Entwickler veräußern das fertige Projekt und buchen den Erlös als Umsatz. Das ist durchaus ein zulässiges Modell, nur ist der Ertrag einmalig und projektabhängig. Ein Vorjahresvergleich ohne Projektbezug ist bedeutungslos.
Die Verschuldung sitzt im Projekt. Solche Projekte sind stark und meist ohne Rückgriff auf die Mutter fremdfinanziert. Wer nur die Konzernbilanz liest, unterschätzt die Hebelwirkung. Der Unternehmenswert im Zähler muss die Projektschulden enthalten.
Der Zinssatz ist hier ein Bewertungsfaktor erster Ordnung. Der Wert eines Projekts ist fast vollständig ein abgezinster Zahlungsstrom mit hoher Anfangsinvestition. Steigt der Diskontsatz um zwei Punkte, kostet das einen zweistelligen Prozentsatz des Barwerts – auch wenn am Projekt selbst nichts geschieht.
Wie wir damit rechnen
Wir bewerten Projekt für Projekt per DCF und gewichten jedes mit der Wahrscheinlichkeit seiner Reifestufe; EV/MW dient allein als Plausibilitätsprüfung des Ergebnisses, nie als Bewertungsmethode. Zu jedem Projekt nennen wir Stufe, Anteil, PPA-Restlaufzeit und den angesetzten Diskontsatz. Und wo uns für einen Vergleichswert die Primärquelle fehlt, schreiben wir das hin, statt eine Zahl zu übernehmen.
Der vollständige Rahmen steht unter Wie wir Erneuerbare-Energien-Unternehmen bewerten.
Quellen
- Die vier beschriebenen Vertragsbestandteile eines PPA – Laufzeit, Preisformel und Indexierung, Bonität des Abnehmers, Mengen- und Abregelungsrisiko – sind Standardelemente solcher Verträge. Maßgeblich ist im Einzelfall stets die Angabe des Unternehmens selbst: Geschäftsbericht, Projektdokumentation oder Ad-hoc-Mitteilung, jeweils mit Datum zitiert.
- Bewusst nicht enthalten: Bandbreiten des Unternehmenswerts je Megawatt nach Reifestufe. Dafür liegt uns keine überprüfbare Primärquelle vor; die Angabe unterbleibt daher (siehe Abschnitt oben).
Stand: 11.08.2026 · Version 2