Verwässerung
Ein Unternehmen ohne Cashflow bezahlt jede weitere Bohrsaison mit neuen Aktien. Das ist kein Missmanagement, sondern das Geschäftsmodell: Es gibt keine andere Einnahmequelle.
Die Folge ist schlichte Arithmetik. Der Vermögenswert im Boden bleibt gleich, die Zahl der Anteile steigt – also sinkt der Wert je Anteil, auch wenn operativ alles nach Plan läuft.
Warum das die meisten Rechnungen kippt
Der übliche Fehler: Man ermittelt einen Nettoinventarwert von, sagen wir, 200 Mio. CAD und teilt ihn durch die heutigen 84 Mio. Aktien. Ergebnis: 2,38 CAD je Aktie.
Bis zur Produktion braucht das Unternehmen aber noch Geld. Kommen bis dahin 40 Mio. neue Aktien dazu, sind es 124 Mio. Anteile – und der Wert je Aktie liegt bei 1,61 CAD. Ein Drittel weniger, ohne dass sich am Projekt irgendetwas geändert hätte.
Deshalb rechnen wir den Wert je Aktie immer nach erwarteter Verwässerung bis zur Produktion. Alles andere ist eine Broschüre.
Was man dafür anschauen muss
Ausstehende Aktien – der Ausgangspunkt, aus dem letzten Quartalsbericht.
Warrants und Optionen. Ausgeübt werden sie, wenn der Kurs über dem Ausübungspreis liegt – also genau dann, wenn es gut läuft. Bei vielen Explorern sind das 15 bis 25 % der ausstehenden Aktien. Zu finden sind sie im Anhang des Abschlusses, nicht in der Kurstabelle.
Cash-Reichweite. Für wie viele Monate reicht das Geld? Daran hängt, wann die nächste Kapitalerhöhung kommt – und damit, wie oft es bis zur Produktion überhaupt noch passiert. → Cash-Reichweite
Der Zeitpunkt. Eine Finanzierung vor einem wichtigen Datenpunkt läuft zu schlechteren Konditionen als eine danach. Ein Unternehmen, das die Bohrergebnisse abwarten kann, verwässert weniger als eines, das vorher Geld braucht. Das ist oft genug der wichtigste Unterschied zwischen zwei sonst ähnlichen Werten.
Was es nicht ist
Verwässerung ist für sich genommen kein Warnsignal. Verwässern muss jeder Explorer – die Frage ist nur, wie viel und zu welchem Kurs. Eine Kapitalerhöhung zu einem hohen Kurs nach guten Ergebnissen ist durchaus ein gutes Geschäft für die Bestandsaktionäre. Eine zu einem gedrückten Kurs, weil das Geld alle war, ist das Gegenteil.
Deshalb sagt die reine Zahl der neuen Aktien wenig. Was zählt, ist zu welchem Kurs sie ausgegeben wurden und ob das Unternehmen den Zeitpunkt wählen konnte.
Wie wir damit umgehen
In jeder Analyse weisen wir aus: ausstehende Aktien, Warrants, Optionen und Cash-Reichweite in Monaten. Der Nettoinventarwert je Aktie ist immer der nach erwarteter Verwässerung.
Der vollständige Rahmen: Wie wir Rohstoffunternehmen bewerten.
Stand: 11.08.2026 · Version 1