DE · EN
Fundamentalanalyse · Small Caps

Inferred, Indicated, Measured

Die Kategorien beschreiben nicht, wie viel Metall im Boden liegt. Sie beschreiben, wie sicher man sich ist, dass es dort liegt. Der Unterschied ist Bohrdichte, nicht Menge.

Die drei Ressourcenkategorien

Kategorie Deutsch Was sie bedeutet
Inferred abgeleitet Aus wenigen Bohrungen und geologischer Analogie geschätzt. Die Geometrie ist vermutet, nicht belegt.
Indicated angezeigt Das Bohrraster ist dicht genug, um Tonnage und Gehalt mit hinreichender Sicherheit für eine wirtschaftliche Planung zu unterstellen.
Measured gemessen Das Bohrraster ist so dicht, dass die Kontinuität von Geologie und Gehalt als bestätigt gilt.

Maßgeblich sind die CIM Definition Standards in der Fassung vom 10. Mai 2014. Über die Verweisung in NI 43-101 gelten sie für jedes an einer kanadischen Börse notierte Unternehmen verbindlich. Eine Empfehlung sind sie gerade nicht.

Von der Ressource zur Reserve

Eine Ressource ist Material im Boden. Eine Reserve ist der Teil davon, der sich nach einer belastbaren Studie wirtschaftlich fördern lässt: nach Abzug von Abbauverlusten, Verdünnung, Genehmigungslage, Kosten und Absatzbedingungen. Der Standard fasst diese Prüfgrößen unter dem Begriff modifying factors zusammen.

An dieser Stelle steht in fast jeder deutschen Erklärung eine saubere Zuordnung über Kreuz: Measured werde Proven, Indicated werde Probable. Die zweite Hälfte stimmt ja auch. Die erste nicht.

Ressourcenkategorie mögliche Reservekategorie Bedingung
Measured Proven oder Probable Probable dann, wenn die Qualified Person den modifying factors weniger vertraut als der Geologie
Indicated ausschließlich Probable ohne Ausnahme
Inferred keine Umwandlung nach CIM ausgeschlossen

Im Wortlaut des Standards: „A Probable Mineral Reserve is the economically mineable part of an Indicated, and in some circumstances, a Measured Mineral Resource.“ Und in der Gegenrichtung unmissverständlich: „An Indicated Mineral Resource … may only be converted to a Probable Mineral Reserve.“

Die Herabstufung von Measured auf Probable ist deshalb kein Formfehler, sondern der vorgesehene Weg für einen durchaus häufigen Fall: Die Geologie ist bestätigt, die Wirtschaftlichkeit trägt die Sicherheit aber nicht mit. Ein offener Genehmigungspunkt, ein ungeklärtes Wasserrecht, ein Abnahmevertrag, der noch fehlt – und aus einer measured Ressource wird eine probable Reserve. Umgekehrt gilt ausnahmslos: Proven setzt eine Measured-Ressource voraus. Aus indicated wird niemals proven.

Wer in einer Pressemitteilung eine Proven-Reserve findet, deren Ressourcenbasis als indicated ausgewiesen ist, hat entweder einen Übersetzungsfehler vor sich oder ein Problem.

Was verboten ist – und in welchem Regelwerk es steht

Beide Verbote werden regelmäßig demselben Text zugeschrieben. Sie stehen aber an verschiedenen Stellen, und das ist mehr als eine Fußnote: Daran hängt, was die Aufsicht ahndet und was die berufsständische Definition ausschließt.

Die CIM-Standards schließen die Umwandlung aus. Eine abgeleitete Ressource darf nicht in eine Reserve überführt werden, weil ihr geologisches Vertrauensniveau eine Investitionsentscheidung nicht trägt. Über die Verweisung in NI 43-101 wird diese Definition für kanadische Emittenten verbindlich.

NI 43-101 verbietet zwei andere Dinge:

Wo es in die Irre führt

Die Summe in der Überschrift. „Gesamtressource: 4,2 Mio. Unzen“ zählt alles zusammen. Sind davon 3,1 Mio. Unzen inferred, ist die Aussage eine andere. Die Aufschlüsselung steht im Bericht, oft nicht in der Meldung.

Der Cut-off-Gehalt bestimmt die Ressourcengröße mit. Dieselbe Lagerstätte ergibt bei 0,3 g/t Cut-off eine deutlich größere und ärmere Ressource als bei 0,8 g/t. Beides ist korrekt. Vergleichbar sind die Zahlen freilich nur bei gleichem Cut-off – und der hängt am unterstellten Rohstoffpreis, also an einer Annahme des Unternehmens.

Die Kategorie ist kein Qualitätsurteil über das Metall. Eine measured Ressource mit 0,4 g/t ist mit hoher Sicherheit wertlos, eine inferred mit 8 g/t kann den ganzen Fall verändern. Sicherheit und Wirtschaftlichkeit sind zwei Achsen, nicht eine.

Hochstufung ist nicht garantiert. Zwischen inferred und indicated liegt ein Bohrprogramm, das Geld kostet und dessen Ergebnis auch lauten kann, dass die vermutete Kontinuität nicht existiert. Dieser Fall gehört zu den häufigsten Kursauslösern bei Explorern.

Auch Reserven schrumpfen. Fällt der Rohstoffpreis unter die Annahme der Studie, wandert Material aus der Reserve zurück in die Ressource, ohne dass ein einziger Bohrmeter widerlegt worden wäre. Die Geologie bleibt, die Wirtschaftlichkeit geht.

Wie wir damit rechnen

Wir gewichten die Kategorien beim Eingang in den NAV gestaffelt, statt sie zu addieren:

Kategorie Ansatz im NAV
Proven & Probable 100 %
Measured & Indicated 60 %
Inferred 30 % – oder null

Diese Staffel ist keine Norm; vorgeschrieben ist sie nirgends. Sie folgt der Gewichtung, die EY 2019 in einer bei der SEC eingereichten formellen Bewertung eines Goldprojekts angewandt hat, und liegt damit am konservativen Ende der in Analystenberichten üblichen Bandbreite von 30 % bis 60 % Abschlag auf abgeleitete Ressourcen. Welche der beiden Varianten wir für inferred wählen, steht in jeder Analyse ausdrücklich dabei – zusammen mit Cut-off-Gehalt und unterstelltem Preis.

Das ist der Hebel, mit dem sich ein NAV am leichtesten schönrechnen lässt. Deshalb legen wir ihn offen.

Siehe auch P/NAV und Wie wir Rohstoffunternehmen bewerten.

Quellen


Stand: 11.08.2026 · Version 2